Schlüsselboxen mit dem Logo von Airbnb in der Altstadt aber auch in Quartieren nehmen in Thun fortlaufend zu. Die SP Thun, zusammen mit JUSO, dem Mieterinnen- und Mieterverband Region Thun-Oberland und dem Gewerkschaftsbund Thun GBT finden: Die Zeit ist reif zum Handeln und hat am 1. Mai ihre Initiative «Wohnraum schützen – Airbnb regulieren (Airbnb-Initiative)» lanciert.
Airbnb ist auch in Thun angekommen. Menschen mit Rollkoffern ziehen durchs Quartier und um Häuser. Erstaunlich viele Hauseingänge in der Altstadt aber auch in Aussenquartieren sind geschmückt mit Schlüsseltresors, oft mit einem kleinen roten Logo drauf: Airbnb.
Tourismus ist ein wertvolles Gut. Ferien sind wichtig. Aber Tourismus muss nachhaltig sein und er muss den sozialen Gegebenheiten in der Zieldestination gerecht werden.
In Thun herrscht Wohnungsnot
Laut Bundesamt für Wohnungswesen sprechen wir ab einem Leerwohnungsbestand von unter 1% von wohnungsnot. In Thun liegt der Leerwohnungsbestand aktuell bei 0.05%! Viele Menschen in Thun finden keinen bezahlbaren Wohnraum mehr. Neue Überbauungen sind zwar in Thun geplant, gleichzeitig verschwindet nötiger Wohnraum und wird durch Airbnb zweckentfremdet. Das geht für die Initiant*innen nicht auf.
Airbnb boomt
Nach grösseren Städten wie z.B. Bern oder Zürich oder touristischen Hotspots wie dem Berner Oberland oder Luzern wird Airbnb nun auch in kleineren Städten wie Thun aktiv. Kurzzeitvermietungen sind lukrativ und immer mehr Anbieter vermieten professionell und rein gewinnorientiert mehrere Objekte. Der ursprüngliche Name und auch Gedanken von «Airbed & Breakfast» (Luftmatratze und Frühstück), abgekürzt Airbnb, ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Meist werden neu renovierte und gut gelegene Wohnungen im höheren Preissegment angeboten, wie z.B. in Thun die «Golden-Castle-Loft» zu ungefähr 500 Fr./Nacht.
Airbnb widerspricht den Interessen der Bevölkerung
Nebst dem Verknappen von langfristig verfügbarem Wohnraum trägt Airbnb dazu bei, dass die Mietzinse steigen. Gleichzeitig entstehen in den Wohnquartieren spürbare negative Auswirkungen: Lärm, erhöhtes Verkehrsaufkommen, unsachgemässe Abfallentsorgung, häufige und unkoordinierte An- und Abreisen sowie ein Verlust an Nachbarschaft und Wohnqualität.
Wohnraum in Thun muss geschützt werden, solange noch Handlungsspielraum besteht
In Thun ist die Situation aktuell noch etwas entspannter als an anderen Orten, eine Zunahme von Airbnb ist aber deutlich erkennbar. Für die Initiant*innen kein Grund abzuwarten, im Gegenteil. Sie wollen agieren und nicht erst reagieren, wenn die Situation nicht mehr erträglich ist.
Was fordert die Initiative?
Die Initiative fordert einen angemessenen Erstwohnungsanteil. Airbnb darf nach wie vor möglich sein, jedoch mit einschränkenden Bedingungen: Wohnraum darf nur noch für maximal 90 Tage im Jahr vermietet werden und die jeweiligen Mietdauer muss mindestens fünf Nächte betragen. Zudem soll eine Melde und Registrierungspflicht Transparenz darüber schaffen, wie viele Wohnungen tatsächlich kurzfristig vermietet werden. Die Einführung von Identifikationsnummern hilft zudem, illegale oder missbräuchliche Nutzungen einfacher zu erkennen. Hotels unterliegen bereits strengen gesetzlichen Auflagen, private Anbieter sollen vergleichbaren Regeln folgen müssen.